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Jamlitz - Lieberose

Der Begriff „schuldige Landschaft“ geht auf den niederländischen Künstler und Schriftsteller Armando (eigentlich Herman Dirk van Dodeweerd) zurück. Er prägte ihn im Zusammenhang mit den Verbrechen der NS-Zeit.

Auf die heute wunderschöne Landschaft in und um Lieberose lässt sich der Begriff übertragen, obwohl es Menschen waren, die Schuld auf sich luden.
 

Ab Herbst 1943 plante die SS auf einem 38.854 Hektar umfassenden Areal für die Waffen-SS, einen riesigen Truppenübungsplatz mit der Bezeichnung „Kurmark“, zu errichten.

Es wurde die Räumung von 17 Dörfern und Gemeinden und Zwangsumsiedlung der hier lebenden Menschen vorgesehen (darunter Jamlitz).

Wegen des Widerspruchs, der sich in der Region erhob, entschied die SS, die Räumung der Dörfer erst später vorzunehmen, doch man begann mit dem Bau des Übungsplatzes.
 

Im Frühjahr 1944 entstand in Jamlitz das KZ-Außenlager „Lieberose“. Stammlager war das KZ Sachsenhausen. Mehrere tausend vor allem aus dem KZ Auschwitz herangeschaffte, meist jüdische Gefangene, sollten als „billigste Arbeitskräfte“ für die Waffen-SS den Truppenübungsplatz bauen.

In zunächst  sechs, später in 24 Baracken vegetierten bis zu 4.300 Menschen gleichzeitig. Von den geschätzt etwa 10.000 Insassen überlebten 3.380 bis 5.000 das Lager Lieberose nicht. Jeden Tag starben bis zu 30 Menschen.
 

Von den Häftlingen, vor allem aus Polen und Ungarn, sind einige Tausend gestorben oder zur Vernichtung nach Auschwitz zurückgebracht worden.

An einer Rampe des Bahnhofs stand ein geschlossener Waggon, den die SS mit toten oder nicht mehr arbeitsfähigen Häftlingen beladen ließ. Im Laufe der Zeit gab es viele solcher Waggons.

Diese Waggons wurden verplombt, als „Güternahverkehr“ deklariert, an reguläre Züge angehängt und nach Auschwitz zur Verbrennung dieser Häftlinge „zurückgeschickt“.
 

Ein besonders grausames Kapitel in Jamlitz fand vom 02. bis 04. Februar 1945 statt.
In einem Mordrausch ermordete die SS hier 1.342 Kranke, überwiegend jüdische Häftlinge.

Die Leichen wurden an verschiedenen Orten der Umgebung verscharrt. Im Mai 1971 stießen Bauarbeiter in einer Kiesgrube bei Staakow auf die sterblichen Überreste von 589 Opfern.

Von Gerichtsmedizinern exhumiert, wurde ein Großteil der Gebeine in 30 Holzsärge gelegt und eingeäschert – was einen schweren Verstoß gegen den jüdischen Ritus bedeutete, der Feuerbestattungen nicht erlaubt.
 

Eine Urne wurde in der Gedenkstätte beigesetzt, für die neben dem Lieberoser Friedhof am 12.09.1971 der Grundstein gelegt wurde und heute vom Gedenkstättenverein Lieberose e.V. mit einem kleinen Museum betreut wird.

Nicht verschwiegen werden soll, dass bei der Exhumierung den Toten die Goldplomben herausgebrochen worden sind, insgesamt 1.080 Gramm Zahngold.

Welt.de beschreibt in einem Artikel vom 19.02.2025, dass das Gold bis mindestens 1975, nach anderen Angaben bis 1980, von der Stasi verwahrt wurde und dann spurlos verschwand.

2009 wurde die ehemalige Kiesgrube, in der 589 Leichen gefunden worden waren, zum jüdischen Friedhof umgestaltet, obwohl hier keine sterblichen Überreste mehr liegen.
 

Auf dem Lagergelände in Jamlitz entstand ab 2003 eine würdige Gedenkstätte, mit zwei getrennten Open-Air-Ausstellungen.

Eine der Ausstellungen beschreibt die NS-Geschichte des Lagers Jamlitz von 1944 bis 1945.
Die andere erinnert an die etwa 10.200 Gefangenen, die hier vom September 1945 bis April 1947 im Sowjetischen Speziallager Nr. 6 inhaftiert waren.

Im Wald, nördlich der Bundesstraße 320, gibt es an der Stelle eines Massengrabes aus der Zeit des NKWD-Lagers einen Gedenkort.

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Die Landschaft wird ihre Schuld nicht verloren haben, bis die letzten Ruhestätten gefunden wurden.

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°© GKD Februar 2025 / update September 2026

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weitere Informationen

Gelände des Lagers Lieberose, heute Gedenkstätte

Das Gelände des Lagers Lieberose, heute Gedenkstätte

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Gedenkorte entlang der B 320

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❶ Gedenkstätte Lieberose/Jamlitz
(ehemaliges KZ-Lager)
zwei getrennten Open-Air-Ausstellungen
(KZ-Lager 1944 bis 1945, Sowjetisches Speziallager 1945 bis 1947)
Kiefernweg 4
15868 Jamlitz
durchgängig geöffnet – Eintritt frei

 

❷ Jüdischer Friedhof (ehemalige Kiesgrube)
an der B320 zwischen Jamlitz und Staakow

 

❸ Mahnmal KZ-Außenlager Lieberose
Bahnhofstraße 6
15868 Lieberose
durchgängig geöffnet – Eintritt frei
Museum: Sonntag 10 – 12 Uhr

 

❹ Gräberfelder des sowjetischen Speziallagers Nr. 6
An der B320 hinter Jamlitz Richtung Staakow

durchgängig geöffnet – Eintritt frei

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